
Verfasst vom Team Kältetechnik, Spezialisten für Kältemittel und europäische F-Gas-Konformität. Letzte Aktualisierung: 30. Juli 2026.
Der Vertriebspreis von R-134a (GWP 1.430) hat sich seit 2014 fast verzehnfacht (Faktor 9,5), wie Daten zeigen, die im vierten Quartal 2025 für die Europäische Kommission aufbereitet wurden (Cooling Post, 2025). In der industriellen Kälteerzeugung konkurrieren zwei Fluide um die Nachfolge: R-513A (GWP 631, Klassifikation A1) für das unmittelbare Retrofit und R-1234ze(E) (GWP 7, A2L) für Neuanlagen. Welches ist die richtige Wahl? Die Antwort hängt vom Alter Ihres Kälteaggregats, Ihrem Budget und Ihrem Compliance-Horizont ab. Wer zunächst die Grundeigenschaften von R-134a nachschlagen möchte, findet sie im Leitfaden R-134a Eigenschaften und PT-Tabelle.
Wichtige Erkenntnisse
Warum sollte man R-134a 2026 in der Industrie ersetzen?
Die europäische HFKW-Quote ist zwischen 2023 und 2026 um 48 % gesunken, von 82,3 auf 42,9 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent (Verordnung (EU) 2024/573, Anhang VII). Die direkte Folge: virgin R-134a kostet auf Endnutzerebene mittlerweile das 3,7-Fache des Preises von 2014. Und das ist erst der Anfang: Die nächste Reduktionsstufe 2027 wird das Angebot weiter verknappen.
Sollte man warten, bis der Preis untragbar wird? In der Praxis: nein. Betreiber, die heute umstellen, sichern sich einen kalkulierbaren Fluidpreis und entgehen dem Wettlauf um regeneriertes Gas, der sich nach 2027 abzeichnet. Details zum HFC-Abbaukalender und den Schwellenwerten je Gerätekategorie finden sich im entsprechenden Fachartikel unseres Blogs.
R-513A oder R-1234ze(E): Wo liegen die echten Unterschiede?
R-513A (Opteon XP10, Chemours) ist ein azeotropes A1-Gemisch, dessen Betriebsdrücke nahezu identisch mit denen von R-134a sind, was ein Retrofit ohne größere Anlagenumbauten ermöglicht (Chemours, Retrofit Guidelines). R-1234ze(E) (Solstice ze, Honeywell) ist ein reines HFO, klassifiziert als A2L. Seine volumetrische Kälteleistung liegt 25 bis 30 % unter der von R-134a, was Verdichter mit größerem Hubvolumen erfordert, also Anlagen, die von Grund auf für dieses Fluid ausgelegt sind.
| Kriterium | R-134a | R-513A | R-1234ze(E) |
|---|---|---|---|
| GWP (AR4, 100 Jahre) | 1.430 | 631 | 7 |
| ASHRAE-34-Klassifikation | A1 | A1 | A2L |
| Zusammensetzung | reines HFKW | R-1234yf 56 % / R-134a 44 % | reines HFO (trans-Isomer) |
| Gemischtyp | Reinstoff | Azeotrop (Glide 0 K) | Reinstoff |
| COP relativ zu R-134a | Referenz (1,00) | ~0,98 bis 1,00 | ~1,02 bis 1,05 |
| Volumetrische Kälteleistung | Referenz | ~95-100 % | ~70-75 % |
| Ölverträglichkeit | POE | POE (gleiches Öl) | POE |
| Retrofit möglich? | k. A. | Ja | Nein (Neuanlage erforderlich) |
| Richtpreis (€/kg, 2025) | ~40-42 | ~30-60 | ~38-40 |
Ein oft missverstandener Punkt: R-513A ist nicht zeotrop. Es handelt sich um ein echtes Azeotrop mit einem Temperaturglide von 0 K, was Befüllung und Wartung erheblich vereinfacht. Für R-134a kalibrierte Manometer lassen sich ohne Neukalibrierung weiterverwenden.
Was kostet eine Umstellung von R-134a auf R-513A?
Ein Retrofit von R-134a auf R-513A an einem Kälteaggregat mit 200 kW kostet alles inklusive zwischen 5.000 und 10.000 €, so Rückmeldungen von Kältetechnikern aus dem deutschsprachigen Raum aus dem Jahr 2025. Der Betrag umfasst die Rückgewinnung des Altfluids, die Befüllung mit R-513A (~80 kg zu 35-45 €/kg, also 2.800 bis 3.600 €), den Austausch der Dichtungen, sofern nötig, sowie die Arbeitszeit. Warum so wenig? Weil R-513A mit demselben POE-Öl, denselben Betriebsdrücken und denselben Expansionsventilen wie R-134a arbeitet.
Vergleichen Sie das mit den Kosten des Nichtstuns. Virgin R-134a kostet 2025 zwischen 40 und 42 €/kg, ein Preis, der keinen Grund hat zu sinken. Die HFKW-Quote sinkt 2027 und erneut 2030 weiter. Nach unseren Beobachtungen haben Betreiber, die 2024 umgestellt haben, die Preisdifferenz des Fluids bereits amortisiert. Wer wartet, riskiert, regeneriertes R-134a zu noch höheren Preisen zu bezahlen, sobald es überhaupt verfügbar ist.
Konkret dauert die Umstellung von R-134a auf R-513A an einer Schrauben- oder Turboverdichteranlage ein bis zwei Tage. Johnson Controls hat detaillierte Retrofit-Leitfäden für seine Baureihen York YK und YVAA/YVWA veröffentlicht (Johnson Controls, Service Information). Wichtig: R-513A muss stets in der Flüssigphase eingefüllt werden, um eine Entmischung des Gemischs zu vermeiden.
Wann ist R-1234ze(E) die bessere Wahl?
R-1234ze(E) drängt sich auf, wenn die bestehende Anlage das Ende ihrer Lebensdauer erreicht und ohnehin ein vollständiger Austausch des Kälteaggregats ansteht. Laborversuche zeigen, dass R-1234ze(E) den Stromverbrauch gegenüber R-134a in bestimmten Konfigurationen mit internem Wärmetauscher um fast 27 % senkt (Climalife). Ein höherer COP, kombiniert mit einem GWP von 7, macht es zum umweltseitig leistungsfähigsten Fluid.
Die großen Hersteller bieten bereits vollständige Baureihen mit R-1234ze(E) an. Trane vertreibt die Baureihe XStream eXcellent GVWF mit Magnetlagerverdichtern, mit Leistungen von 380 kW bis 2,1 MW und einem SEER von bis zu 10 (Cooling Post). Carrier hat die Baureihe AquaForce Vision 30KAV PUREtec für die Prozesskühlung lanciert, von 280 kW bis 1.300 kW (Carrier EU). Rechenzentren gehören mit ihrem Kühlbedarf rund um die Uhr zu den ersten Anwendern.
Der größte Hemmschuh? Die Anfangsinvestition. Eine Neuanlage mit R-1234ze(E) und 200 kW kostet zwischen 80.000 und 120.000 €. Die jährliche Energieeinsparung, kombiniert mit einem nicht quotenpflichtigen Fluid, macht das Investment jedoch über 12 bis 15 Jahre rentabel. Lohnt sich das, wenn Ihre bestehende Anlage noch 5 Jahre Restlebensdauer hat? Wahrscheinlich nicht. In diesem Fall bleibt R-513A die logische Zwischenlösung.

Welches Öl und welche Bauteile müssen ausgetauscht werden?
Gute Nachricht für R-513A: Das mit R-134a verwendete Polyolester-Öl (POE) bleibt kompatibel. In den meisten Fällen ist kein Ölwechsel nötig, sofern das Öl in gutem Zustand ist und der Säuregehalt im Normbereich liegt. Standard-Elastomerdichtungen eignen sich weiterhin. Thermostatische oder elektronische Expansionsventile, die für R-134a kalibriert sind, funktionieren mit R-513A ohne nennenswerte Neukalibrierung, da Verdampfungs- und Kondensationsdrücke sehr nah beieinanderliegen.
Bei R-1234ze(E) sieht es anders aus. Da das Fluid als A2L (schwer entflammbar) eingestuft ist, muss die Anlage die Anforderungen der Norm EN 378 hinsichtlich Füllmengengrenzen, Belüftung und Leckageerkennung erfüllen. Elektrische Komponenten im Technikraum müssen für eine A2L-Umgebung geeignet sein. Im deutschsprachigen Raum ist der Umgang mit R-1234ze(E) durch die Sachkundebescheinigung abgedeckt, dieselbe, die auch für andere fluorierte Kältemittel gilt.
Ein oft übersehenes Detail: Auch R-1234ze(E) verwendet POE-Öl. Das ist kompatibel. Allerdings ist die Füllmenge größer (größeres Verdichterhubvolumen), und die Verbindungen müssen auf A2L-taugliche Dichtheit geprüft werden. Nicht unüberwindbar, aber eben kein Retrofit.
Was zeigen die Praxiserfahrungen mit Umstellungen?
Die University of Kansas hat einen realitätsnahen Vergleichstest durchgeführt: zwei York-Kälteaggregate mit 900 Tonnen Kälteleistung (~3.160 kW), die dasselbe Gebäude kühlen, eines mit R-134a, das andere auf R-513A umgestellt. Die vorläufigen Ergebnisse bestätigen vergleichbare Kühlleistungen (Cooling Post, 2022). Solche Praxistests unter realen Bedingungen an baugleichen Maschinen sind selten. Sie bestätigen, was die Herstellerdaten bereits ankündigen: R-513A ist kein Leistungskompromiss.
Auf der R-1234ze(E)-Seite ist der Fall des Lebensmittelunternehmens Les Délices de la Belle Noé dokumentiert: eine 69-kW-Anlage mit 150 kg R-1234ze(E) für Pluskühlung (0 bis +10 °C) und Minuskühlung (−20 bis −25 °C), auf einer Fläche von 400 m², mit einem Budget unter 100.000 € (Climalife). Die Betreiber berichten von gesunkenem Stromverbrauch und einem komfortableren Management ohne Quotenbeschränkung.
Nach unseren Erfahrungen im deutschsprachigen Raum verlaufen R-513A-Umstellungen an Schraubenverdichteranlagen mit 100 bis 500 kW ohne besondere technische Schwierigkeiten. Der kritische Punkt bleibt die vollständige Entleerung des R-134a vor der Neubefüllung, da eine Kreuzkontamination die Leistung mindert. Darauf gehen wir im nächsten Abschnitt näher ein.
Welche Fallstricke sollte man bei einem R-134a-Retrofit vermeiden?
Die häufigste Falle ist Kontamination. Ein Rest R-134a im Kreislauf vor der Befüllung mit R-513A stellt kein chemisches Verträglichkeitsproblem dar (R-513A enthält bereits 44 % R-134a), doch ein größerer Rückstand verfälscht die Gemischzusammensetzung und verändert die thermodynamische Leistung. Die Regel: R-134a so vollständig wie möglich zurückgewinnen, evakuieren und anschließend R-513A in der Flüssigphase einfüllen.
Der zweithäufigste Fehler: der vernachlässigte Säuretest des Öls. Ein degradiertes POE-Öl mit hohem Säurewert beschleunigt die Zersetzung des im R-513A enthaltenen R-1234yf. Ist das Öl sauer, muss es gewechselt werden. Nach Rückmeldungen von Technikern wird dieser Schritt bei etwa jedem dritten Retrofit übersprungen.
Dritter Punkt, spezifisch für R-1234ze(E): die A2L-Anforderungen unterschätzen. Die Entflammbarkeit ist gering (Brenngeschwindigkeit < 10 cm/s), aber vorhanden. Technikräume benötigen eine EN-378-konforme Belüftung und einen bodennahen Leckagemelder. Einen vollständigen Überblick über Kältemittel mit niedrigem GWP und ihre sicherheitstechnischen Anforderungen bietet unser entsprechender Fachartikel.

R-513A 2026, R-1234ze(E) 2030: Welcher Fahrplan ist sinnvoll?
R-513A bleibt ein HFKW/HFO-Gemisch mit einem GWP von 631. Es ist heute konform, enthält aber weiterhin 44 % R-134a und unterliegt dem europäischen Quotenmechanismus. Sollten die regulatorischen Schwellenwerte für bestimmte Kategorien künftig unter GWP 150 fallen, wäre auch R-513A betroffen. Wann genau? Die F-Gas-Verordnung (EU) 2024/573 legt kein explizites Verbotsdatum für R-513A in industriellen Anwendungen fest. Der Trend ist jedoch eindeutig.
Die pragmatischste Strategie? R-513A als Übergangslösung für Anlagen nutzen, die noch in gutem Zustand sind (Restlebensdauer 5 bis 10 Jahre), und den Wechsel zu R-1234ze(E) oder anderen natürlichen Alternativen für die nächste Erneuerung des Anlagenparks einplanen. Genau das tun die am weitesten fortgeschrittenen Industriebetriebe in ihrer Planung.
Für Betreiber mit einem Park aus mehreren Kälteaggregaten empfiehlt sich, zunächst die ältesten Anlagen auf R-513A umzustellen (minimale Kosten, sofortiger Compliance-Effekt) und den Austausch gegen R-1234ze(E)-Anlagen im Investitionsplan für die nächsten 5 bis 7 Jahre zu budgetieren. Weiterführende Vergleiche finden sich in unserem Artikel zu den Alternativen zum R-404A, der weitere Übergangsfluide behandelt.
Häufig gestellte Fragen
Ist R-513A ein „Drop-in“ für R-134a?
Nicht ganz. R-513A ist ein Umstellfluid („Retrofit“), kein Drop-in im strengen Sinne. Die Prozedur erfordert, das gesamte R-134a zurückzugewinnen, zu evakuieren und anschließend mit R-513A in der Flüssigphase neu zu befüllen. Man kann R-513A nicht einfach in einen Kreislauf mit R-134a nachfüllen. In den meisten Fällen ist jedoch keine Bauteiländerung nötig: gleiches POE-Öl, gleiche Drücke, gleiche Expansionsventile.
Kann man R-1234ze(E) in einer bestehenden, für R-134a ausgelegten Anlage verwenden?
Nein. Die volumetrische Kälteleistung von R-1234ze(E) liegt 25 bis 30 % unter der von R-134a. Ein für R-134a ausgelegter Verdichter liefert mit R-1234ze(E) nicht die erwartete Kälteleistung. Es ist eine speziell für dieses Fluid konzipierte Anlage erforderlich, mit einem Verdichter größeren Hubvolumens und einem Kreislauf, der die A2L-Anforderungen der Norm EN 378 erfüllt.
Ist eine spezielle Zertifizierung für den Umgang mit R-1234ze(E) der Klasse A2L erforderlich?
Im deutschsprachigen Raum deckt die Sachkundebescheinigung den Umgang mit allen fluorierten Kältemitteln ab, einschließlich A2L-Fluiden wie R-1234ze(E). Über die Standardbescheinigung hinaus ist keine zusätzliche Zertifizierung erforderlich. Der Installateur muss jedoch die Anforderungen der Norm EN 378 zu Füllmengengrenzen und Belüftung von Technikräumen kennen.
Wird R-513A langfristig verboten?
Die Verordnung (EU) 2024/573 sieht kein spezifisches Verbot von R-513A für industrielle Anwendungen vor. Sein GWP von 631 liegt jedoch über den künftigen Schwellenwerten einiger Kategorien (GWP 150 für Plug-in-Möbel seit 2025). Für Kälteaggregate und die Industriekälte bleibt es auf absehbare Zeit nutzbar, doch der Druck der HFKW-Quoten wird seine Kosten schrittweise erhöhen.
Wie lange hält eine auf R-513A umgestellte Anlage?
Die Umstellung auf R-513A verkürzt die Lebensdauer der Anlage nicht. Thermodynamische Eigenschaften und Materialverträglichkeit ähneln denen von R-134a. Ein umgestelltes Kälteaggregat kann so lange in Betrieb bleiben, wie sein mechanischer Zustand es erlaubt, typischerweise 15 bis 25 Jahre bei einer gut gewarteten Turboverdichteranlage.
Ist R-1234yf eine Alternative zu R-134a in der Industriekälte?
R-1234yf (GWP 4, A2L) wird vor allem in der Fahrzeugklimatisierung eingesetzt. Sein sehr hoher Preis (oft über 80 €/kg) und seine auf kleine Füllmengen optimierten Eigenschaften machen es für die Industriekälte ungeeignet. Für die stationäre Kälteerzeugung sind R-513A (das 56 % R-1234yf enthält) oder R-1234ze(E) die geeigneten Optionen. Mehr zu R-134a in der Fahrzeugklimatisierung im <a href="https://refrigerationstore.eu/de/gas/klimaanlage-auto-r134a-nachfuellen-kosten/">Leitfaden zum Nachfüllen von R-134a-Klimaanlagen</a>.
Das Wichtigste in Kürze
Die Wahl zwischen R-513A und R-1234ze(E) ist keine Frage nach dem absolut „besten“ Fluid. Es ist eine Frage von Timing und Situation. Hat Ihre R-134a-Anlage noch 5 bis 10 Jahre vor sich, bietet R-513A sofortige Konformität bei moderaten Umstellungskosten. Planen Sie eine Anlagenerneuerung, ist R-1234ze(E) die zukunftssichere Lösung mit dem besten Umwelt- und Energieprofil.
Die einzige wirklich falsche Entscheidung ist, nichts zu tun. R-134a kostet auf Vertriebsebene bereits das 9,5-Fache des Preises von 2014, und die nächsten Quotenstufen 2027 und 2030 werden die Lage nur verschärfen. Für eine technische Begleitung bei der Umstellung Ihrer Anlagen wenden Sie sich an einen zertifizierten Kältetechniker. Und um R-513A und R-1234ze(E) im Gesamtbild der Alternativen mit niedrigem GWP einzuordnen: Unser Leitfaden zu Kältemitteln mit niedrigem GWP deckt sämtliche Optionen nach Anwendungsbereich ab.


